Montag, 29. Juni 2009 16:55
Dexia Sektoranalyse: Aussichten des Bankensektors
Das anhaltende Sinken der Aktienkurse wurde von der sich selbst erfüllenden Prophezeiung des stetigen Preisrückgangs bei den Anlagen genährt und die Banken waren zu Kapitalerhöhungen gezwungen. Solange dieser Zustand anhielt, stellte der Sektor offensichtlich kein geeignetes Anlageuniversum dar. Zugleich hat sich die Situation stabilisiert und die Anleger sind nun überzeugt, dass eine neuerliche Kapitalverwässerung begrenzt werden sollte, da mögliche Kapitalerhöhungen zunehmend mit realen Verlusten in Verbindung stehen, welche die Anleger für akzeptabel halten, solange diese nicht den Ertrag vor Rückstellungen überschreiten. Obwohl wir (Dexia) die Stabilisierung eindeutig begrüßen und die geänderte Haltung, die den Wert der Anlagen gesichert hat, akzeptieren, ist der Sektor unseres Erachtens noch immer nicht attraktiv genug, um darin zu investieren.
Derzeit meinen viele Anleger, dass sich die aktuellen Aktienkurse durch die langfristigen, dauerhaften Renditen rechtfertigen. Wir halten diese Analyse der Rendite-Historie für falsch und sind davon überzeugt, dass die Vorschriften als Reaktion auf die Exzesse in dem Sektor verschärft werden. Die genauen Modalitäten sind noch nicht bekannt, aber es ist realistisch, von höheren Kapitalforderungen und von strengeren Regeln zur Liquidität auszugehen. Solche Maßnahmen werden zweifellos negative Auswirkungen auf die langfristigen Renditen haben und folglich auf die Dividenden sowie auf die Fähigkeit, einen Cashflow zu generieren. Wir sind der Auffassung, dass die Banken weiterhin in der Lage sein werden, eine Eigenkapitalrendite zu erzielen, die über den Kapitalkosten liegt. Aber wir meinen auch, dass sich eine Eigenkapitalrendite von mehr als 15 % in naher Zukunft schwerlich oder gar nicht erreichen lässt. Außerdem ist zu beachten, dass die meisten Banken vor dem Jahr 2000 ohne Hebeleffekt ehrgeizige Ziele für die Eigenkapitalrendite von mehr als 12 % ankündigten. Auch die Entwicklung zu einer von Überregulierung geprägten Phase würde uns nicht überraschen.
In dieser Zeit wird der Sektor seine Entschuldung fortsetzen. Der schmerzhafte Prozess wird sich auf die Rendite und auf die Gewinne auswirken. Allerdings befinden wir uns erst am Beginn eines „Ausfall-Zyklus“. Die Verluste durch Kredite werden zweifellos weiter ansteigen und ihren Höhepunkt erst im Jahr 2010 erreichen. Die Auswirkungen werden je nach Bank und Risikomanagement, vor allem aber je nach Zustand der lokalen Wirtschaft unterschiedlich ausfallen. Im Schnitt sehen wir bei den risikoadjustierten Anlagen einen Ertrag vor Rückstellungen in Höhe von 2 % voraus. Sofern kein Katastrophenszenario für die Wirtschaft eintritt, dürften die 2 % ausreichen, um die Verluste aus Krediten zu kompensieren. Für die Länder bzw. Volkswirtschaften, die den offenkundigsten Exzessen gegenüber stehen, müssen unsere Überlegungen weiter gehen. Das heißt, wir müssen alle materiellen Verluste aus Krediten berücksichtigen, welche den Ertrag vor Rückstellungen weit überschreiten.
Unter Berücksichtigung der schwachen kurz- und mittelfristigen Ergebnisse und der unsicheren aber negativen Auswirkungen langfristiger Verschärfungen der Rentabilitätsvorschriften für den Sektor sind wir davon überzeugt, dass es für die Anleger verfrüht wäre, auf die Zeit nach der Krise zu setzen.
Konträr zur aktuellen Einschätzung, die scheinbar auf dem Markt besteht, meinen wir, dass sich die Risiken für den Sektor erhöhen. Davon sind wir nicht nur deshalb überzeugt, weil die Banken verschuldete Marktbeteiligte sind, die sich in sehr fragilen Wirtschaftssystemen bewegen, sondern auch, weil der Ertrag in Verbindung mit den oben genannten Auswirkungen der Vorschriften zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt ist.
Der schlimmste Teil der Bankenkrise scheint nun hinter uns zu liegen. Es sollte jedoch angemerkt werden, dass die Flexibilisierung der Buchführungsregeln enorme Auswirkungen auf die Entwicklung der allgemeinen Stimmung hatte und dies von extremer Bedeutung für den Sektor war. Ein stabileres Umfeld wird nun den allgemeinen Wert stärken, die Bewertung begünstigen und einen anhaltenden Aufschwung rechtfertigen, der vom Gefühl der Erleichterung gestützt wird. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass die kurz- und langfristigen Aussichten für den Sektor angespannt bleiben und dass sich die Risiken tendenziell erhöhen. Aus diesem Grund sind wir der Ansicht, dass der Sektor teuer ist und ein wenig attraktives Rendite/Risiko-Profil bietet. Auch die Tatsache, dass die Bewertung erneut den Nettoinventarwert überschreitet, stützt diese Sicht.
Quelle BCA AG