Freitag, 29. Januar 2010 18:02
Australien steht selten in den Schlagzeilen der Wirtschaftsnachrichten. Der fünfte Kontinent glänzt vielmehr als bevorzugtes Fernreiseziel für naturverbundene Weltenbummler und Surfer denn als wichtiger Spieler auf der weltwirtschaftlichen Bühne.
Während wir uns gemeinsam über erste kleine Anzeichen einer langsamen Wirtschaftsbelebung freuen, boomt die australische Wirtschaft am anderen Ende der Welt: keine Rezession, ein intaktes Bankensystem und blendende Aussichten für Direktinvestitionen und Börsen-engagements. Fast unbemerkt hat sich Australien zum Vorzeigestaat gemausert: ökonomisch stabil, schuldenfrei, modern und zuwandererfreundlich.
Experten erwarten für 2010 ein Wirtschaftswachstum von mindestens 3,5 Prozent. Die australische Notenbank RBA hebt die Leitzinsen laufend an, um das Wirtschaftswachstum in ökonomisch verträglichen Maßen zu halten. Ein Trend für andere Länder kann daraus allerdings nicht hergeleitet werden, weil Australien aufgrund seines Rohstoffreichtums und seiner Nähe zu den asiatischen Wachstumsmärkten eine besonders günstige Ausgangsposition hat.
Es gibt nahezu keinen Rohstoff, der in Australien nicht in großen Mengen vorkommt: von Bauxit über Eisenerz, Kupfer, Nickel bis Uran. Und natürlich Gold, von dessen Preisanstieg der minenreiche Kontinent besonders profitiert hat. Zudem ist das Land von der Größe Europas dank seiner Kohle- und Erdgasvorkommen der achtgrößte Energieproduzent der Welt. Die wichtigsten Exportpartner sind Japan, China, Südkorea und Indien. China ist bereits heute der größte Rohstoffkonsument der Welt, und die Nachfrage aus dem Reich der Mitte steigt weiter. Ende 2009 hat es China geschafft, Deutschland als Export-Weltmeister abzulösen.
Australien blieb die internationale Bankenkrise erspart, weil die vier großen Geldinstitute sehr solide aufgestellt und bis heute kaum im Ausland aktiv sind. Die australische Regierung hat umsichtig auf die weltweite Krise und ihre indirekten Effekte reagiert und die Wirtschaft mit entsprechenden Konjunkturpaketen angekurbelt. Mit temporären Steuerbegünstigungen und Einmalzahlungen an sozial schwächere Bevölkerungsschichten konnte die Kaufkraft belebt und erhalten werden. Die Finanzierung dieser Maßnahmen ist unproblematisch, weil sich die öffentlichen Schulden auf lediglich 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts belaufen. Damit wäre Australien unschlagbarer Musterschüler unter den Euro-Ländern, die nach aktuellen Prognosen der EU-Kommission im Berichtsjahr 2009 eine öffentliche Verschuldung von durchschnittlich 78,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufweisen werden.
Nach Meinung der Wirtschaftsexperten steht Australien in der ersten Reihe ganz vorn, um von der Fortsetzung des China-Booms zu profitieren. Während Europa, die USA und Japan in 2010 beim Wirtschaftswachstum weiter schwächeln, wird es im Land der Mitte und damit auch in Australien schon bald wieder richtig brummen.
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