ENTWICKLUNG DES FLUGZEUGMARKTES
Zu der weltweiten Flugzeugflotte gehörten Ende 2008 insgesamt rund 18.800 Passagierflugzeuge. Hiervon entfallen rund 3.060 Stück auf Regionalflugzeuge (circa bis zu 90 Sitzplätze), rund 11.360 Stück auf Flugzeuge mit einer Gangreihe („Single-Aisle”; circa 100 bis 200 Sitzplätze), rund 3.510 Stück auf Flugzeuge mit zwei Gangreihen („Twin-Aisle”; circa 200 bis 400 Sitzplätze) und rund 870 Stück auf „sehr große Flugzeuge” (über 400 Sitzplätze), zu denen auch der A380-800 zu zählen ist.
Es wird prognostiziert, dass der Gesamtbedarf an neu abzuliefernden Flugzeugen für den Zeitraum von 2009 bis 2028 29.000 Stück beträgt. Ohne Berücksichtigung der Regionalflugzeuge ergibt sich ein prognostizierter Gesamtbedarf von 26.900 Flugzeugen, was einem Investitionsvolumen von circa US-$ 3,2 Billionen entspricht. Der prognostizierte Bedarf ergibt sich aus dem Ersatzbedarf für rund 12.200 heute noch aktive Passagier- und Frachtflugzeuge, die im Betrachtungszeitraum alters oder technologisch bedingt stillgelegt oder umgerüstet werden, und aus dem Bedarf von 16.800 zusätzlichen Flugzeugen.
Nach dieser Prognose soll die weltweite Flugzeugflotte im Jahr 2028 aus circa 35.600 Flugzeugen bestehen. Davon entfallen rund 2.220 Stück auf Regionalflugzeuge, was einem Rückgang von circa 27% im Vergleich zu dem Bestand von Ende 2008 entspricht. Die Anzahl der Flugzeuge mit einer Gangreihe beziehungsweise mit zwei Gangreihen wird prognosegemäß rund 24.230 Stück beziehungsweise rund 8.080 Stück betragen, was einem Wachstum von circa 113% beziehungsweise circa 130% über den genannten Zeitraum entspricht. Die Anzahl der „sehr großen Flugzeuge” soll prognosegemäß bis 2028 rund 1.070 Stück betragen. Ausgehend von einem Bestand in 2008 in Höhe von 870 Flugzeugen ergibt dies ein Wachstum von circa 23%.
Eine andere Marktstudie prognostiziert für den gleichen Zeitraum einen Bedarf von 24.097 neuen Passagierflugzeugen. Davon entfallen 17.000 Stück auf Flugzeuge mit einer Gangreihe, 5.802 Stück auf Flugzeuge mit zwei Gangreihen und 1.318 Stück auf sehr große Flugzeuge. Die weltweite Flugzeugflotte in 2028 soll aus annähernd 32.000 Flugzeugen bestehen.
Der steigende Bedarf an Großraumflugzeugen, die konzeptionell über eine sehr große Passagierkapazität und Reichweite verfügen, ist auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen. Em wesentlicher Punkt sind die großen Entfernungen, die im globalen Flugverkehr bewältigt werden müssen. Beispielsweise wird Air France den Airbus A380-800 auf seinen Strecken von Paris nach New York, Washington D.C. (beide USA), Tokio (Japan) und Johannesburg (Südafrika) einsetzen.
Zudem wird die Nachfrage nach Großraumflugzeugen mit großer und sehr großer Passagierkapazität auch durch stetig steigende weltweite Flugfrequenzen und der daraus resultierenden Belastung der Flughäfen und des Luftraums begünstigt. Insbesondere auf Verbindungen zwischen international bedeutenden Wirtschaftszentren sowie auf Routen zwischen den stetig wachsenden Mega-Städten der Schwellenländer kann der Einsatz größerer Flugzeuge nicht nur für eine Entlastung der Luftraum-und Flughafenkapazitäten, sondern auch für eine höhere Wirtschaftlichkeit des Flugbetriebes sorgen.
Auf der Anbieterseite stehen beinahe ausschließlich die Hersteller Airbus und Boeing, welche seit gut einem Jahrzehnt sämtliche Marktsegmente oberhalb der Regionalflugzeuge beherrschen, dieser enormen Investitionsnachfrage gegenüber. Aufgrund komplexer technischer Anforderungen und sehr hoher Entwicklungskosten beim Flugzeugbau und den sich daraus ergebenden hohen Zugangshürden für den Markteintritt alternativer Anbieter ist es aus heutiger Sicht wahrscheinlich, dass Airbus und Boeing auch zukünftig diesen Markt dominieren werden.
Zusammen konnten die beiden Hersteller allein im Jahr 2007 insgesamt 2.754 (Netto-)Bestellungen verzeichnen, wobei diesen Aufträgen im gleichen Zeitraum lediglich 894 Auslieferungen gegenüber standen (siehe Grafik unten). Obwohl die Produktionskapazitäten beider Hersteller infolge dessen über Jahre hinweg auf einem hohen Niveau ausgelastet waren, ist im gegenwärtigen von der Wirtschafts- und Finanzmarktkrise geprägten Umfeld ein deutlicher Nachfragerückgang erkennbar. Dies zeigt sich insbesondere an den (Netto-)Bestellungen des Jahres 2008 (insgesamt 1.439 Stück) und in dem Zeitraum vom ersten bis zum dritten Quartal des Jahres 2009 (insgesamt 330 Stück), welche bei beiden Herstellern deutlich unter dem Niveau der Vorjahre lagen, wobei aber Airbus im Jahr 2008 mit 483 ausgelieferten Flugzeugen (Boeing: 375 Flugzeuge) den eigenen Vorjahresrekord der Auslieferungen nochmals steigern konnte. Da sich der derzeitige Trend zu rückläufigen Bestellungen kurzfristig jedoch nicht ändern wird, reagieren Airbus und Boeing mit einer entsprechenden Anpassung der monatlichen Flugzeugproduktionszahlen beziehungsweise setzen geplante Kapazitätsausweitungen vorerst nicht um. Die beiden Hersteller Airbus und Boeing berücksichtigen insofern mit einer Angebotsverknappung die von vielen Fluggesellschaften gewünschte Zurückstellung beziehungsweise Verschiebung von Neuauslieferungen. Dies unterstützt den Abbau kurzfristiger Überkapazitäten, um negative Auswirkungen auf die langfristigen Wertverläufe von Flugzeugen und Leasingraten zu verringern. In der Folge dürfte trotz der gegenwärtigen Eintrübung des Branchenklimas mit einer mittelfristigen Erholung und langfristigen Fortsetzung des positiven Wachstumstrends in der Luftfahrtindustrie zu rechnen sein.